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Peter Sodann – Tatortkommissar und Bundespräsident?


Peter Sodann erläutere am 12. Dezember 2008 im Stadtteilzentrum der GefAS in Erkner seine Motive als Kandidat der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten.

 

„Ich weiß eigentlich gar nicht, wer in Deutschland regiert. In der DDR gab es ein Kinderlexikon, das hieß ‚Von Anton bis Zylinder‘. Das Regierungslexikon heute müsste heißen ‚Von Ackermann bis Zumwinkel‘. Ein Sodann würde darin nicht vorkommen. Aber ich bin ein politisch denkender Schauspieler. Das finde ich wichtiger als schauspielende Politiker. Davon haben wir genug“, meint Peter Sodann, Kandidat der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten.

 

 

 

 



Peter Sodann war am 12.12.2008 Gast des Stadtverbandes der LINKEN in Erkner.

„Ich habe mich mit Gregor Gysi in einem Café in Halle getroffen. Er hat mich gefragt, ob ich bereit sei, für das höchste Amt im Staat zu kandidieren. Zunächst habe ich mit dem Kopf geschüttelt. Was hätten sie denn getan?“, fragt er das Publikum im gut gefüllten Saal der GefAS. Der 72-Jährige trifft auf Verständnis.

„Ich habe in meinem Leben viel gemacht“, sagt er und blättert im Buch seiner Erinnerungen, aus dem er kurze Passagen vorliest, dabei aber immer wieder in die Gegenwart abschweift. Als Kind war sein Traumberuf erst Lokführer, dann König. „Nun ist der Bundespräsident kein König, aber es ist eine gute Aufgabe. Warum soll ich das nicht machen.“ Ruhestand sei schließlich ein viel grausameres Wort. „Natürlich hat Gysis Frage auch meine Eitelkeit angestachelt“, meint Peter Sodann. Es sollten nicht immer nur die gleichen „Elefanten“ auf der Bühne stehen.

Kinderarmut und ungerechte Verteilungsprinzipien machen die Bundesrepublik zu einem beklagenswerten Land. „Ich habe auch keine Patentrezepte und kann vielleicht auch vieles nicht, aber ich kann Goethe rezitieren:

Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das letzte wär’ das Höchsterrungene.
Eröffn’ ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen.
'“

Wir alle würden den Sumpf kennen, es wäre das höchste Glück, ihn zu beseitigen.

 

 

 

 

Peter Sodann und der Moderator der Veranstaltung, Marian Krüger, Mitarbeiter der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

Sodann sagt weiter, ihm werde unterstellt, die DDR wieder haben zu wollen. Das sei falsch. Schließlich ist er dort angeeckt, saß sogar im Gefängnis. „Ich will sie nicht wiederhaben, aber ich lasse sie mir auch nicht nehmen.“ Die Utopien und Vorstellungen Peter Sodanns decken sich in wesentlichen Punkten mit denen der LINKEN. Aber sie sind nicht deckungsgleich. Sodann bezeichnet sich selbst als „betenden Kommunisten“. „Die Linken werden es mit mir aushalten müssen, ich mit ihnen auch“, meint er und lächelt. „Die LINKE ist die einzige Partei, die sich mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt hat. Blockflöten sind unter den Rock der bundesdeutschen Parteien gekrochen. Die LINKE ist gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Wir haben nichts am Hindukusch verloren.“

Nach eigenen Visionen befragt, antwortet Peter Sodann: „Das Land gehört niemandem, die Früchte allen. Das sollte ins Grundgesetz und gemeinsam mit Artikel eins umgesetzt werden. Die Würde des Menschen ist heute zum Kostenfaktor verkommen. Die Gesundheitsreform von Frau Schmidt kommt mir vor wie ein Aufruf zur freiwilligen Euthanasie der Rentner“, blitzt der scharfzüngige Kabarettist auf. Als Bundespräsident würde er sich einsetzen, dass der Finger in so manche Wunde gelegt wird, und er will Menschen aktivieren, für ihre eigenen Interessen einzustehen. Der Tatort-Kommissar aus dem Fernsehen will Mut machen. „Mut allein genügt aber nicht, eine hohe Bildung ist nötig.“ Sodanns Credo zielt auf Chancengleichheit, möglichst langes gemeinsames Lernen, ein gebührenfreies Studium und den Zugang zu Kunst und Kultur für alle.

Peter Sodann redet aber nicht nur darüber. Er engagiert sich stark für eine Bibliothek in Merseburg, die Bücher aus der DDR sammelt. Er wolle zeigen, dass die DDR ein Leseland war, begründet er. In dem unterhaltsamen Gespräch erfährt das Publikum so manche menschliche Seite des Kandidaten auf das Bundespräsidentenamt. Mit Begeisterung in den Augen schildert er die Fastfreundschaft mit Norbert Blüm, der oft als ‚Herz-Jesu-Marxist‘ bezeichnet wird. „Das passt doch zu einem betenden Kommunisten. Blüm ist etwa eben so alt wie ich. Wir sind uns einig, dass etwas für die kleinen Leute getan werden muss“, sagte Peter Sodann und weist mit spitzbübischem Gesicht darauf hin, dass Blüm auch noch einen Zentimeter kleiner sei als er. Das Publikum erfährt auch, dass Sodann morgens auf der Toilette erst einmal ein Kreuzworträtsel löst. Er brauche schon am Beginn des Tages Erfolgserlebnisse. „Was tun eigentlich Köhler und Schwaan vor dem Frühstück. Sicher werden wir das nie erfahren.“ Der Tatortkommissar, den Sodann spielt, heißt ‚Ehrlicher‘, er könnte auch ‚Menschlicher‘ heißen.

Da der Bundespräsident nicht vom Volk gewählt wird, gibt sich Peter Sodann kaum eine Chance. Als Realist sagt er selbst: „Wenn in der Bundesversammlung nicht alle Diarrhoe haben, gewinnt Köhler, Schwaan belegt den vorletzten und ich einen hervorragenden Bronzeplatz.“ Trotzdem Hut ab vor Peter Sodann für seine Kandidatur, die sicher mit viel Mühe, Stress, Streit und Anfeindungen verbunden ist.

 

 

 

 

Renate Adolph, in Erkner für DIE LINKE direkt in den Landtag Brandenburg gewähle Abgeordnete bedankt sich im Namen der Gäste bei Peter Sodann.

 

Dr. Elviras Strauß