Oder-Spree darf kein Versuchsgebiet sein!
Der Energiekonzern Vattenfall plant neben der Abbaggerung von Braunkohle in unserer Region (die entsprechende Studie der Landesregierung liegt vor) schon die nächste energie- und umweltpolitische „Sauerei“: im Gebiet um Beeskow soll erkundet werden, ob CO2 in die Erde gepumpt werden kann. Diese unterirdische Speicherung gehört zu einem Verfahren, welches die Verbrennung von Braunkohle sauberer machen soll. Dabei wird das CO2 beim Verbrennen abgeschieden, unter Druck verflüssigt und irgendwo endgelagert – nach Wunsch von Vattenfall in der Erde um Beeskow. Aber diese CCS- Technologie ist nur vorgetäuschter Klimaschutz und anstatt in CO2-freie Energiegewinnung zu investieren, wird nur versucht, die umweltschädliche Braunkohle-Verbrennung etwas zu verbessern. Wie kurzfristig hier gedacht wird zeigt allein die Tatsache, dass alle möglichen Speicher in Deutschland für das CO2 in 50 Jahren voll wären.
Diese Technologie verschlechtert den Wirkungsgrad der Kraftwerke um mindestens 10%. Sie ändert nichts an der Energiepolitik des Landes und steht einer konsequenten Nutzung erneuerbarer Energiequellen im Weg. Die Verpressung des Klimagiftes CO2 in Erdspeicher ist eine technologische Sackgasse und hochriskant. Das CO2 wird nicht der Umwelt entzogen, sondern lediglich anders gelagert – und es kann und wird über die Jahre verteilt austreten, im Ernstfall auch plötzlich z.B. durch geologische Verschiebungen.
Anfang April hat der Wirtschaftsminister Junghanns auf meine Anfrage hin bestätigt, dass der Antrag auf Überprüfung eines Endlagers im Gebiet Beeskow eingegangen ist. Hier soll mit Probebohrungen und geologischen Untersuchungen geklärt werden, ob die Region für die hochriskante CO2-Verpressung geeignet ist. Der Antrag soll bis Ende des Jahres durch das Landesamt für Bergbau entschieden werden, eine Prüfung des Gebietes würde danach zwei Jahre dauern. Zentrale Fragen wurden aber auch nicht auf einer Info-Veranstaltung Mitte April in Beeskow geklärt: Wie risikobehaftet ist das ganze Projekt? Wie groß ist die Gefahr, dass das eingepumpte Gas das Salzwasser verdrängt und dieses in das Grundwasser gerät? Wie stark ist das eingepumpte CO2 noch mit Zusatzstoffen wie Stickoxid verunreinigt? Auch die Haftung lässt Fragen offen: die beteiligten Unternehmen haften nur 50 Jahre – bei einer möglichen Lagerzeit von weit über 100 Jahren.
DIE LINKE fordert eine frühzeitige Einbeziehung nicht nur der Bürgermeister, Gemeindevertreter und des Kreistages, sondern vor allem der betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Nach der Idee, in Oder-Spree wieder Kohle abzubaggern sorgt nun auch dieser Schritt berechtigterweise für Verunsicherung der Menschen. Unsere Region darf kein Versuchsfeld für hochriskante Technologien werden. DIE LINKE wird schon das Antragsverfahren zur Probebohrung kritisch begleiten – und wir wollen Ihnen gerne bei Fragen helfen: wenden sie sich per Mail an kontakt@dielinke-oder-spree.de
Peer Jürgens, Mitglied des Landtages
Direktkandidat im Wahlkreis 30
