Linke Politikerinnen gratulieren Polizeiwache Erkner und informieren sich bei der GefAS
Wachenleiter Eckhard Strobel begrüßt die Landtagsabgeordnete Renate Adolph und die Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (v.l.).
Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau, und die im hiesigen Wahlkreis direkt gewählte Landtagsabgeordnete Renate Adolph (DIE LINKE) haben am Montag in Erkner beim Tag der Offenen Tür den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin der Polizeiwache Erkner ihre Glückwünsche überbracht. Hier wurde mit einem Fest das zehnjährige Jubiläum des neuen, modernen Gebäudekomplexes am Dämeritzsee gefeiert. Bei einem Gespräch mit Burghard Neumann, Leiter des Schutzbereiches Fürstenwalde, dem Leiter der Erkneraner Wache Eckhard Strobel sowie dem Leiter der ebenfalls hier ansässigen Wasserschutzpolizei, Ingolf Jäger, informierten sich die beiden Politikerinnen über die guten Arbeitsbedingungen. 65 Polizistinnen und Polizisten arbeiten in Erkner. Dennoch stellten die Gesprächsteilnehmer fest, dass sich der vom Land Brandenburg zurzeit betriebene massive Stellenabbau auch in ihrem Schutzbereich auswirkt. Bei Streifengängen und -fahrten sei die Schmerzgrenze bereits erreicht.
Kompensiert wird das noch mit Hilfe der Wasserschutzpolizei, die auch mal bei Fußballspielen und Volksfesten dienstlich „auf Landgang“ ist. Große Sorgen mache man sich aber um den Nachwuchs, denn es gab im vergangenen Jahr keine Neueinstellungen. Um Probleme schnell zu erkennen, gebe es aber eine gute Zusammenarbeit bei der Prävention mit den örtlichen Behörden. Als einen der Schwerpunkte benannte der Leiter der Wache, Eckhard Strobel, die zunehmende Aktivität von rechtsextremen Gruppierungen in der Region. Das wirke sich zwar noch nicht direkt in Erkner aus, aber in der Umgebung. In diesem Zusammenhang lobte er das bürgerschaftliche Engagement vieler Menschen zum Beispiel im Bündnis für Demokratie und Toleranz in Schöneiche. Als ein Verdienst der Polizei nannte Burghard Neumann, dass die NPD in Rauen ihr geplantes Schulungszentrum nicht verwirklichen konnte. „Wir haben als Erste dieses Vorhaben öffentlich gemacht.“
Renate Adolph und Petra Pau (v.r.) auf dem Boot der Wasserschutzpolizei. Links ein Besatzungsmitglied.
Über den engen Kontakt zwischen den Beamten und den Einwohner der Stadt konnten sich die beiden linken Abgeordneten an den Ständen rund um das neue Wachenhaus überzeugen. Zum Beispiel beim codieren von Fahrrädern, Vorführungen der Polizeihundestaffel aus Fürstenwalde sowie bei Reaktionstest am Verkehrssimulator. Ein besonderer Höhepunkt für Besucher wie auch die Politikerinnen war eine Fahrt mit dem Polizeiboot auf dem Dämeritzsee.
Im Anschluss informierten sich beide Politikerinnen bei der Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht e.V. (GefAS) über die Arbeit der Schuldnerberatungsstelle in der Smolka-Straße sowie der Tafel im Stadtteilzentrum Fichtenauer Weg. 226 Kunden betreut die Schuldnerberatung der Gesellschaft. Im Laufe der gegenwärtigen Finanzkrise kommen immer mehr Selbständige oder auch von Kurzarbeit Betroffene hinzu. Man habe es schon lange nicht mehr nur mit Hartz-IV-Betroffenen und Jugendlichen zu tun, betonte GefAS-Chef Siegfried Unger. Allerdings vermisst der Verein ein stärkeres Engagement der Stadtverwaltung bei der Unterstützung. So muss er sich zum wiederholten Male nach Kündigung eines Objektes durch die Stadt in Erkner um einen neuen Standort bemühen. Trotzdem geht der Verein ein neues Projekt an. In Schulen soll künftig Aufklärung betrieben werden, dass Jugendliche nicht frühzeitig in Schuldenfallen tappen.

Gespräch im Verkaufsraum der Tafel, v.l.: Renate Adolph, Petra Pau, GefAS-Chef Siegfried Unger und die langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin, Frau Ukrow.
Ein Erfolgsmodell ist auch die vom Verein betriebene Tafel. Sie wird in Erkner von rund 1.300 bedürftigen Menschen genutzt. Seit wenigen Tagen bietet sie auch einen mobilen Service für Leute an, die nur noch schwer oder gar nicht mehr zu Fuß in den Laden unweit des Bahnhofs kommen können. Die Tafel habe inzwischen eine aktivierende Funktion für die Betroffenen. Mit Arbeitslosenfrühstück, gemeinsamen Subbotniks und einem Sommerfest wurden die Nutzer aus ihrer oft unverschuldeten Isolation geholt, betonte Unger. Petra Pau und Renate Adolph konnten sich abschließen noch von dem Angebot der Kleiderkammer und der Möbelkammer am Fichtenauer Weg überzeugen und mit vielen der hier Tätigen, die zum Teil auch unbezahlt arbeiten, sprechen. Sie zeigten sich stark beeindruckt.
Jürgen Strauß
