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Gert Schramm las beim „Beeskower Gespräch“ aus seiner Autobiografie

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ Das haben wir als Kinder oft gespielt: ein Haschespiel, bei dem es bei der Flucht vor dem „Schornsteinfeger“ laut und fröhlich zuging. Gewiss kennt es Gert Schramm auch aus seinen Thüringer Kindertagen. Doch für ihn bekam die Frage bald einen ganz anderen Sinn. Denn er selbst war der schwarze Mann, der gejagt, getreten, verleumdet, mit dem Tod bedroht wurde. Weil er eine andere Hautfarbe als seine Spielgefährten hatte, trachtete ihm sein rassistischer Lehrer im idyllischen Dorf nach dem Leben. Mit 15 Jahren erlitt Gert Schramm, geboren 1928 als Sohn eines afroamerikansichen Ingenieurs und einer deutschen Mutter, die Hölle in Polizeigewahrsam und in Gestapo-Gefängnis und als einziger schwarzer Häftling im KZ Buchenwald.

„Mein Leben in Deutschland“ - beim jüngsten „Beeskower Gespräch“, zu dem der Landtagsabgeordnete Peer Jürgens eingeladen hatte, folgten die Zuhörer tiefbewegt dieser Biografie. Dass sie leider einen sehr aktuellen Bezug hat, ist in Zeiten, da Neonazis wie die „Zwickauer Zelle“ unbehelligt Menschen bedrohen und umbringen können, unstreitbar. Wie gegen diesen faschistischen Geist im heutigen Deutschland angehen? Diese Frage beschäftigte den Autor von „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann“ und die Beeskower bei dieser Zusammenkunft. Bitter nötig haben die Kinder von heute, die heranwachsende Generation, um den neonazistischen Rattenfängern widerstehen zu können, seine schlimmen Erfahrungen, ist sich Gert Schramm sicher. Warum werden dann Jugendclubs wegen Geldmangels geschlossen? Warum ist im Lehrplan so wenig Platz für die jüngste deutsche Geschichte? Als Mitglied im Häftlingsbeirat der Gedenkstätte Buchenwald und einer der letzten lebenden Zeitzeugen scheut der 83jährige keine Mühe, allen, die es wissen wollen, vor allem aber Jugendlichen in seiner schlichten Art, vielleicht deshalb so eindringlich zu berichten, was ihm im Zeiten des Rassismus passiert ist. Obwohl er es lange nicht fertigbrachte, die Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse seiner Häftlingszeit zurückzuholen- als Dolmetscher der sowjetischen Besatzungsmacht nicht und nicht als Bergmann in Frankreich, bei der Wismut und im Ruhrgebiet, auch als angesehener Bürger von Eberswalde nicht, an dessen 72. Geburtstag in seiner Stadt Antonio Amadeu erschlagen wurde, als erster Schwarzer in einer langen Reihe von unschuldigen Menschen, die zufällig eine andere Religion, Nationalität, Hautfarbe oder ein Gebrechen hatten. 2001 befragte eine Journalistin des ZDF Gert Schramm vor der Kamera, als er wie jedes Jahr am Befreiungstag von Buchenwald dort seine einstigen Kameraden traf. Da kamen von allen Seiten Fragen und Einladungen und auch seine Akte aus dem Gothaeer Archiv. Seitdem ist er in Deutschland in antifaschistischer Mission unterwegs. Und er hat seine Autobiografie geschrieben „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“.

Beim „Beeskower Gespräch“ hatte der Autor nun nicht nur ein sehr aufmerksames diskussionsfreudiges Publikum, sondern auch eine ganz besondere Freude: Einer der Beeskower in der Stadtbücherei outete sich als Bekannter aus Kinderzeiten, als Enkel eines Freundes von Gert Schramms Großvater.