Eine notwendige Erwiderung zum Thema Braunkohle
Anlässlich des Volksbegehrens gegen neue Tagebaue gab es in der Stadtverordnetenversammlung Fürstenwalde am 29. Januar einige erregte Stimmen, insbesondere von Seiten der CDU und SPD. Gar von Empörung wurde im SPREEBOTEN berichtet. Herr Petenati sprach von Aprilscherz und Unwahrheit und weiß also genau, "dass die Kohle unter Fürstenwalde nichts taugt".
In sieben sachlichen Punkten versuchen wir hier zum Nachdenken anzuregen:
1. Es geht nicht so sehr um Kohle "unter Fürstenwalde", sondern um das "Feld Fürstenwalde", das weite Teile der Umgebung - im Süden fast bis Beeskow - einnimmt. Der auch als "Feld 5" bezeichnete Braunkohlevorrat ist in der Studie der Technischen Universität Clausthal zur Fortschreibung der Tagebauentwicklung in der Lausitz ausgewiesen. Diese hatte unser Brandenburgischer Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns im Mai 2007 vorgestellt.
2. Der Salzgehalt der Kohle ist unter heuten technischen Bedingungen kein Problem mehr. Die Braunkohle des Feldes 5 zählt zur höchsten Lagerstättenkategorie A.
3. Das Wirtschaftsministerium wiegelt mündlich zwar ab und meint, Oder-Spree habe als Rohstoffreserve keine Bedeutung.
Aber im Rohstoffbericht Brandenburg 2007 steht auf Seite 26 für alle nachlesbar: „Als langfristige strategische Rohstoffreserve können ferner die Braunkohlelagerstätten in den Salzkissen-Randsenken vor allem im Raum zwischen Berlin und Frankfurt/Oder mit ihren relativ hohen Flözmächtigkeiten und geringen Deckschichten wirtschaftlich interessant werden" (Dr. Ing. Klaus Freytag, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe).
4. Die Brandenburger SPD-CDU-Koalition setzt Hoffnung auf technische Möglichkeiten, vielleicht ab 2020 das klimaschädliche CO2 aus Kraftwerksabgasen abzutrennen und langfristig einzulagern (CCS = Carbon Capture and Storage). Mit dem Bau erster Pilotanlagen wurde ja begonnen. Falls es wirklich funktioniert und sich wirtschaftlich rechnet, passiert aber das Folgende: Abtrennung, Verflüssigung, Transport und Einlagerung benötigen viel Energie, so dass der Gesamtwirkungsgrad sinkt. Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung bescheinigte den CCS-Verfahren „einen zusätzlichen Brennstoffbedarf von bis zu 40%“. Das heißt, um die gleiche Menge Strom zu produzieren, müsste die Braunkohleförderung um bis zu 40% erhöht werden.
5. Die Koordinatoren des Volksbegehrens haben betont: Es kann (!) auch Fürstenwalde treffen, gerade dann, wenn man durch CCS langfristig an der Braunkohle festhält. Planungsabsichten und tatsächliche Umsetzung liegen bei der Braunkohlenplanung mehrere Jahrzehnte auseinander. Wer Abbau nach 2030 verhindern will, muss jetzt Unterschriften sammeln. Dass die Regionalplanung jetzt noch nichts vorliegen hat, ist ganz normal.
6. Und ohne CCS bleibt eine verheerende Wirkung für das Klima, die Braunkohleverstromung hat relativ die stärkste CO2-Abgabe.
7. Für den Tagebau werden große Mengen Wasser benötigt. Derzeit pumpt der aktive Braunkohlebergbau in der Lausitz mit 230 Mio. Kubikmetern pro Jahr mehr Grundwasser ab als alle anderen Nutzer zusammen (160 Mio.). Im ohnehin niederschlagsarmen Brandenburg ist die Höhe des Grundwasserspiegels aber entscheidend für die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft. Experten wie Heiko Sonntag vom Regierungspräsidium Dresden kritisieren als Folge des Bergbaus auch eine Versalzung der Flüsse mit Sulfat. Dies hat besonders für die Trinkwassergewinnung Berlins und Brandenburgs große Auswirkungen. Die Überschreitung des zulässigen Grenzwertes ist schon heute problematisch, eine technische Lösung zur industriellen Reinigung des Wassers gibt es bisher nicht.
Viele Bürgerinnen und Bürger aus Fürstenwalde haben auch aus Solidarität mit den Dörfern, den Naturschutzgebieten und den Menschen in der Lausitz unterschrieben, die von neuen (!) Planungen betroffen wären. Das macht uns Mut.
Sabine Niels, Fürstenwalde, Bündnis90/GRÜNE
Bernd Stiller, Langewahl, LINKE
Damian Arikas, Team des Volksbegehrens
